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DETAIL
12-Jährige: „Ich sterbe lieber, als mit denen mitzugehen!“
Ein pädagogischer Super-GAU stürzt die Wiener MA 11 und einen hoch geförderten Privatverein in die Krise. Im Zentrum die Verzweiflungstat
eines traumatisierten Mädchens und ein Mann mit teuflischer Ausstrahlung.
Am liebsten mag Petra koreanische Popmusik und Katzen – es sind die wenigen Dinge, die das Mädchen mit anderen 12-Jährigen gemein hat. Petras Ursachen für die vielen Traumata in ihrem Leben führen in die Untiefen der menschlichen Bösartigkeit und Perversion. Mehrfacher Missbrauch hat aus einer Kinderseele ein emotionales Katastrophengebiet gemacht. Wie eine Sirene schreit sie oft stundenlang einen Schmerz hinaus, der sich nicht wegbrüllen lässt. Wenn sie zu Beginn ihrer Therapie einen Mann gesehen hat, nässte sie sich ein.
Nun wird Petra, die in Wirklichkeit einen anderen Namen trägt, nicht von ihren Eltern betreut, sondern von Pädagogen in speziellen Einrichtungen. Zu Beginn von „Pro Child“, einem Verein für professionelle Erziehungshilfe, der mittlerweile den Betrieb eingestellt hat. Das war auch der Grund, weshalb Petra von einem Haus in ein anderes verlegt werden musste.
Wie die „Krone“ nun erfuhr, hat sich Folgendes bereits am 1. März 2026 zugetragen. Der Recherche zugrunde liegen Gespräche mit einem Whistleblower, fünf Gedächtnisprotokolle rund um den besagten Tag und Anfragen an die Stadt Wien und mehrere Vereine mit insgesamt 139 Fragen.
Fleischtunnel, Hörner und Tätowierungen im Gesicht
▶ § Protokoll 1 einer Betreuerin: Das Mädchen wird von der Verlegung informiert. „Darauf reagierte Petra mit sichtbarer Schockreaktion (große Augen, Starre, Stopp der Nahrungsaufnahme), gefolgt von klarer Ablehnung“, ist zu lesen. Die Empfehlung der Mitarbeiterin ist klar: „Übergabe gut strukturiert, ohne Zeitdruck.“ Vor allem: „Weibliche Betreuer.“
▶ § Protokoll 2: Ein Mitarbeiter informiert den Verein, der das Mädchen übernehmen wird – namens Homebase – , über die Problematiken. Geschäftsführer ist Herr W., doch der zeigte sich laut Schreiben „wenig beeindruckt“. W. wird darüber informiert, „dass es empfehlenswert wäre, keine männlichen Personen zu dem Termin zu schicken, da sie Angst vor Männern habe“. Wegen „personeller Schwierigkeiten“ sei dies nicht möglich, ist die Antwort.
▶ § Die nächsten Seiten und Gedächtnisprotokolle zeigen, wie die „Klientenübergabe“ eskaliert. Erwähnt werden muss, dass W. von Homebase optisch nicht so aussieht, wie man sich einen pädagogischen Leiter vorstellt. Der bärtige Mann ist überall tätowiert, auch im Gesicht, seine Ohren sind durch Fleischtunnel geweitet, aus seiner Stirn stehen aufschraubbare Hörner wie bei einem Satanisten. Dieser Hüne holt ein schwer traumatisiertes Mädchen ab, das panische Männerangst hat.
Laut Protokoll stellt W. Petra „ein Ultimatum“: „Sollte sie bis dahin nicht freiwillig öffnen, werde er das Zimmer betreten – ob sie wolle oder nicht.“
Die 12-Jährige schließt sich im Zimmer ein, tobt, klettert aus dem Fenster im ersten Stock und springt in ihrer Verzweiflung auf den Beton. Unten brüllt das verletzte Mädchen: „Ich sterbe lieber, als mit denen mitzugehen.“ Die Rettung bestätigt den Vorfall: „Das Mädchen wurde bei dem Sturz schwer verletzt. Mit Frakturen im Bein- und Armbereich. Wir reden von einem Polytrauma.“ Augenzeugen sprechen von einem Wunder, dass Petra überlebt hat, so wie sie gefallen ist.
Homebase und der Chef mit den Teufelshörnern werden von der MA 11, der Kinder- und Jugendhilfe, großzügig mit Steuergeld gefördert – alleine im Monat des besagten Vorfalls mit 386.093 Euro. Beantworten wollte Homebase die Fragen der „Krone“ nicht – zwei Ansuchen um Stellungnahmen wurden ignoriert. Der pädagogische Super-GAU hinter der Verzweiflungstat lässt sich nicht so leicht eindämmen. Das Büro der zuständigen Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos): „Die Aufsicht der MA 11 prüfte den Vorfall und achtete darauf, dass dieser fachgerecht bearbeitet wurde. Ein fachliches Fehlverhalten des Trägers Homebase wurde dabei nicht festgestellt.“
Wie die Abholung eines schwer traumatisierten Kindes durch einen Mann mit teuflischer Ausstrahlung „fachgerecht“ sein kann, wird die Behörde noch erklären müssen.