Medienspiegel:
2026-10-03 Wie abgehoben die SPÖ-Politik von der Parteibasis ist - Andrea Hodoschek/KURIER
2026-10-02 Gerhard Zeiler: „Ich habe keine Garantie, aber ich habe ein Gefühl“ - Anna Hager/KURIER
2026-10-02 SPÖ-Turbulenzen: Wir mögen nur biedere Politiker - Martina Salomon/KURIER
Gerhard Zeiler ist ein Paradebeispiel dafür, warum es heikel ist, als erfolgreicher Manager in die Politik zu wechseln.
Stets herrscht die Klage, dass sich erfolgreiche Menschen den Wechsel in die Politik nicht antun wollen. Wie schade! Doch die vergangenen Tage haben illustriert, warum.
In derselben Sekunde, in der Gerhard Zeiler „aufgezeigt“ hat, begannen die Anschüttungen (übrigens bevorzugt von den ganz Linken, die die SPÖ mit Babler putschartig übernommen haben und jetzt in Geiselhaft halten). Ein Millionär sei er, und außerdem zu alt. Aber wagt das auch jemand über den hyperagilen Mick Jagger zu sagen? Und haben nicht genau jene, die Zeiler zu alt finden, Kurz einst für viel zu jung gehalten? Unter dem roten Säulenheiligen Bruno Kreisky war Aufstieg aus eigener Kraft übrigens noch positiv besetzt.
Zeiler hat vieles, was in Österreich generell verpönt ist. Hier müssen Politiker bieder sein, bei der Geldanlage (angeblich) über ein Sparbuch nicht hinauskommen und auf keinen Fall weiter als innerhalb Österreichs Grenzen reisen. Erfolgreich sein, auf keinen Versorgungsposten angewiesen, um die Welt fliegen, nicht nur in Traiskirchen, sondern auch in New York daheim sein, vielleicht auch noch teure Accessoires tragen – nein, das findet man hierzulande bei Politikern ganz unsympathisch.
Schlag nach bei Pamela Rendi-Wagner, die 2019 im noblen Saint-Tropez „erwischt“ und 2023 von jenen brutal abmontiert wurde, die sich jetzt über Zeilers Ambitionen mokieren.
Dem erfolgreichen Medienmanager und loyalen Sozialdemokraten wird das Falsche vorgeworfen. Was man an Zeilers „Kandidatur“ kritisieren kann: Der Start war erstaunlich schlecht vorbereitet. Man hätte präzisere, kraftvollere Ansagen erwarten können, ein Team, das sich sofort hinter ihn stellt – und davor jemanden (Michael Ludwig oder Wolfgang Katzian), der parteiintern „Andi, es ist vorbei“ sagt. Das kann am Sonntag noch immer passieren, das linke Lager hofft nun aber auf Markus Marterbauer, als einen der „Ihren“, mit braver AK-Karriere. Er hat nicht nur den passenden „Stallgeruch“, scheut keine Steuererhöhungen, sondern tritt auch tatsächlich authentisch und bescheiden auf, kämpft aber noch gegen eine Krebserkrankung. Ohne dieses Handicap hätte man ihn längst auf den Schild gehoben.
Interessanterweise haben die regierenden Parteien jede Kampagnenfähigkeit und jeden Glanz verloren. Bei der FPÖ ist es umgekehrt: Sie kann oder will nicht regieren und hat einen eher unglamourösen, selbst innerparteilich nicht beliebten Spitzenmann, der wenig Wärme ausstrahlt und außer der Politik keinen Beruf hat. Doch die FPÖ ist nicht nur Profiteur der vielen Krisen, sie kann auch Geschichten erzählen und Emotionen wecken. Genau das hat Gerhard Zeiler verpasst. Das kann man ihm vorhalten – vieles andere aber nicht.
2026-10-02 TITEL -/KURIER
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